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12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche : Langfristiges Krisenmanagement sieht anders aus!

Angesichts der dramatisch ansteigenden Anzahl der Covid-Fälle in Luxemburg und in ganz Europa, hat die Regierung einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der vorsieht, dass die Arbeitszeit des Personals des Gesundheits-, Pflege- und Sozialsektors temporär wieder auf 12 Stunden am Tag und 60 Stunden die Woche erhöht werden kann.


Das Syndikat Gesundheit und Sozialwesen des OGBL ist alarmiert und warnt vor einem fahrlässigen Umgang mit der wichtigsten Ressource die wir im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben, die des Gesundheits- und Pflegepersonals.


Es sind genau diese Arbeitnehmer, die seit Beginn der Pandemie mit vollem Einsatz unserer gesamten Gesellschaft den Rücken freigehalten haben. Es sind auch sie, die schon seit Jahren mit sehr intensiven Arbeitsbedingungen und einem enormen Druck kämpfen müssen. Während dem Rest der Bevölkerung im Sommer angesichts der niedrigen Covid-Zahlen eine Auszeit gegönnt war, waren sie es, die Überstunden machten um die ausgefallene Betreuung der Nicht-Corona-Patienten aufzuarbeiten.


Die Politik hat dagegen im Sommerloch verpasst ihre Verantwortung zu übernehmen und dem anfänglichen Beifall Taten folgen zu lassen. Das Syndikat Gesundheit und Sozialwesen des OGBL hatte bereits im Juli unter dem Slogan «Ouni Eis Geet Näischt» auf die desolaten Zustände und die Notwendigkeit die Arbeitnehmer des Sektors zu schützen aufmerksam gemacht. Auch in den anlaufenden Kollektivvertragsverhandlungen wurde der Schwerpunkt vom OGBL auf qualitative Verbesserungen der Arbeitsplätze und Möglichkeiten für die Arbeitnehmer sich von der enorm intensiven Arbeit zu erholen, gelegt. Ein Anheben der legalen Grenzen der Arbeitszeit, ist sicherlich kein Schritt in die richtige Richtung.


Langfristiges Krisenmanagement sieht anders aus. Der OGBL bedauert, dass nun zum zweiten Mal solche Maßnahmen getroffen werden, statt auf den Sozialdialog im Sektor zu setzen. Die Problematik der Arbeitszeiten hätte im Rahmen von Kollektivvertragsverhandlungen geregelt werden müssen, inklusive angemessener Entschädigungen für die Arbeitnehmer, die jetzt so nicht vorgesehen sind.


Widersprüchlich ist außerdem, dass die Politik bis dato keinerlei Anstrengung gemacht hat, Teilzeitarbeitnehmer den Schritt zur Vollzeit zu erleichtern. Dies könnte beispielsweise über Maßnahmen zu einer besseren Vereinbarung von Privatleben und Beruf erfolgen. Ein solches Investment würde diplomatische Zwickmühlen bei der Rekrutierung in der Großregion vermeiden und darüber hinaus Zeit sparen, da diese Arbeitnehmer nicht in Krisenzeiten eingearbeitet werden müssen.


In diesem Zusammenhang ist der OGBL jedoch schockiert und wird nicht akzeptieren, dass wie angedacht, finanzielle Mittel zur Kinderbetreuung in den Krankenhäusern, deren Öffnungszeiten an die Arbeitszeiten der Gesundheitsberufler angepasst sind, kurzerhand gestrichen werden sollen. Der OGBL fordert in diesem Zusammenhang ein sofortiges Umdenken und ein Ausbau dieses Angebots, damit die Kinderbetreuung für alle Eltern die im Sektor arbeiten, während ihrer Arbeitszeit garantiert wird.


Darüber hinaus darf beim Thema Personaldotationen in den Krankenhäusern in zukünftigen Budgetgesprächen keinesfalls am sogenannten PRN-System festgehalten werden, das den Krankenhäusern nur 82% des benötigten Personals bewilligt. Sollte hier kein Umdenken stattfinden, wird der akute Personalmangel systemisch und nachweisbar über die nächsten Jahre konstant verstärkt. Eine Verbesserung der Dotationsmechanismen in dem gesamten Gesundheits-, Pflege- und Sozialsektor ist längst überfällig.


Der OGBL warnt ganz klar vor den Konsequenzen solcher politischen Entscheidungen, die verstärkt zu Übermüdung, Burnout, Krankheit und somit unweigerlich zu einer qualitativen Verschlechterung im Kampf gegen die Corona-Pandemie und in der Pflege insgesamt führen werden.


Mitgeteilt vom OGBL-Syndikat Gesundheit und Sozialwesen am 27. Oktober 2020

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