Einige ergänzende Überlegungen zur Reform der Gesundheitsberufe
- Är Personalvertriedung

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In ihrer Pressemitteilung vom 26. Mai 2026 zum Gesetzentwurf Nr. 8714 über die Aufgabenbereiche der Pflegefachkräfte formulieren OGBL und LCGB mehrere Kritikpunkte, die durchaus nachvollziehbar erscheinen. Insbesondere die Forderung nach klaren rechtlichen Rahmenbedingungen, eindeutigen Zuständigkeiten und qualitativ hochwertigen Fortbildungsangeboten verdient Beachtung.
Gleichzeitig konzentriert sich die Diskussion erneut sehr stark auf die Frage, ob die Rolle des Infirmier ausreichend erweitert und aufgewertet wird. Damit droht jedoch eine grundlegendere Fragestellung in den Hintergrund zu treten.
Die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre besteht nicht allein darin, die Kompetenzen einzelner Gesundheitsberufe anzupassen. Sie besteht darin, die Berufsarchitektur des luxemburgischen Gesundheitswesens insgesamt weiterzuentwickeln.
Luxemburg steht vor Herausforderungen, die weit über die Reform eines einzelnen Berufsbildes hinausgehen: demografischer Wandel, chronische Erkrankungen, Fachkräftesicherung, Primärversorgung, Prävention, Rehabilitation und die zunehmende Komplexität moderner Versorgungssysteme. Diese Entwicklungen erfordern eine langfristige Betrachtung des Gesamtsystems.
Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig zielführend, jede Reform primär unter dem Gesichtspunkt der Kompetenzerweiterung einer einzelnen Berufsgruppe zu bewerten. Die zentrale Frage sollte vielmehr lauten, welche Aufgaben künftig im Versorgungssystem erfüllt werden müssen und welches Qualifikationsniveau hierfür jeweils erforderlich ist.
Gerade hier gewinnt die Diskussion über ein mögliches mittleres Qualifikationsniveau an Bedeutung.
Zwischen dem aide-soignant und dem Infirmier besteht bereits heute eine fachliche und bildungsbezogene Lücke. Zahlreiche Aufgaben moderner Versorgungssysteme bewegen sich zwischen diesen beiden Qualifikationsniveaus. Sie gehen über klassische Unterstützungsleistungen hinaus, erfordern jedoch nicht zwingend die vollständige Ausbildung und Verantwortung eines Infirmier auf Bachelor-Niveau.
Die Prüfung eines Technicien de santé sollte deshalb nicht als Konkurrenz zum Infirmier verstanden werden. Ebenso wenig handelt es sich um eine bloße Aufwertung des aide-soignant. Vielmehr geht es um die Frage, ob Luxemburg langfristig von einem eigenständigen mittleren Qualifikationsniveau profitieren könnte, das klar definierte Aufgaben übernimmt, Entwicklungsperspektiven schafft und zu einem ausgewogeneren Skill-Mix beiträgt.
Eine solche Diskussion sollte weder ideologisch noch berufsständisch geführt werden. Maßgeblich sollte vielmehr sein, welchen Beitrag unterschiedliche Qualifikationsniveaus zur Versorgung der Bevölkerung leisten können.
Die Weiterentwicklung des Infirmier bleibt dabei ein wichtiger und notwendiger Baustein. Sie allein wird jedoch die strukturellen Herausforderungen des luxemburgischen Gesundheitswesens nicht lösen.
Notwendig erscheint vielmehr eine Gesamtperspektive, welche aide-soignants, Infirmiers, Techniciens, spezialisierte Pflegeprofile, Advanced Practice, Therapeuten und weitere Gesundheitsberufe gemeinsam in den Blick nimmt.
Die Zukunft der Gesundheitsberufe entscheidet sich letztlich nicht daran, welcher Beruf zusätzliche Kompetenzen erhält oder welche Berufsgruppe sich politisch durchsetzt.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob es gelingt, eine kohärente Berufsarchitektur zu schaffen, die Versorgung, Ausbildung, Verantwortung und berufliche Entwicklung sinnvoll miteinander verbindet.
Entscheidend ist nicht, welcher Beruf gewinnt, sondern wie das System gewinnt – und damit letztlich die Gesellschaft.




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